... oder die Geschichte eines Teams aus Sicht des Teamleiters
Verbunden mit großem persönlichem Einsatz setzen sich hier Kinder und Jugendliche für den Erhalt der Natur, insbesondere vor ihrer eigenen Haustür ein. Besonders durch Ihre Fledermaussafaris haben sich die Ranger aus dem Sauerland schon einen Namen gemacht und nicht zuletzt wegen diesem besonderen Einsatz der Kids und Jugendlichen erfüllt es mich mit Stolz sagen zu können: „Das ist mein Team“.
Aber beginne ich meinen Bericht von Anfang an:
Naturschutz erfreut sich in dieser modernen Zeit einerseits wachsender Beliebtheit, andererseits ist es aber oft auch schwer Kinder und Jugendliche für den Naturschutz zu begeistern. Das Angebot gemütlich zu Hause vorm Computer oder dem Fernseher zu sitzen, laute Musik zu hören oder einfach nur „abzuhängen“, ist in vielen Fällen bei Kindern und Jugendlichen heute angesagt.
Aufgabe von Erziehung, aber genauso auch Aufgabe von Politik, ist es nunmehr die Jugend vor die Tür und weg von PC und TV zu bekommen. Hier muss ihnen gezeigt werden wie schön es ist mit anderen zusammen die Freizeit zu verbringen. So z.B. im Sportverein , oder auch in einem Naturschutzverein.
Diese Aufgabe ist vielerorts bereits erkannt worden. Die jährlich stattfindenden Waldjugendspiele des Hochsauerlandkreises für die Klassen 4 und 8 sind genauso Beispiel hierfür, wie der Einsatz des mobilen Klassenzimmers – der Umweltbus Lumbricus, der Natur- und Umweltschutzakademie des Landes NRW - ,die rollenden Waldschulen der Kreisjägerschaft oder die Umwelt- und Waldtage in vielen Kindergärten und Schulen.
Aber was ist nach einer solchen Veranstaltung? Im Sportbereich ist es für sportbegeisterte Kinder und Jugendliche einfach auch nach der Schule weiter zu machen. Sportvereine gibt es nahezu in jedem Dorf. Aber Naturschutzvereine?
Was ist aber jetzt mit den Kindern und Jugendlichen die z.B. nach den Umwelttagen oder den Waldjugendspielen sagen; ich würde viel lieber mit anderen zusammen Nistkästen bauen oder mehr über den Lebensraum Wald erfahren, als meine Freizeit auf dem Fußballplatz zu verbringen? Diese Kids stehen meist vor einem nicht gerade einfachen Problem.
Fazit: Wir haben durch u.a. schulische Projekte das Ziel erreicht, die Kinder vom Computer wegzulocken und für die Natur zu begeistern. Aber dann sind wir auch schon am Ende der Fahnenstange, mit der Folge:
Die Kinder und Jugendlichen kehren früher oder später enttäuscht wieder zum Computer zurück. Sie ein zweites mal zu begeistern dürfte jetzt ziemlich schwer geworden sein.
Vor genau diesem Problem stand ich vor einigen Jahren auch, die Waldjugendspiele und die Abschlussfahrt der Grundschule zur Waldjugendherberge nach Brilon hatten das Interesse an Umwelt und Natur in mir geweckt. Eine bestehende Umweltgruppe gab es in unmittelbarer Nähe nicht, aber Aufgeben wollte ich auch nicht. Inzwischen gehört der aktive Naturschutz schon seit mehreren Jahren zu meiner größten Freizeitbeschäftigung. Hier liegt mir besonders der Kinder- und Jugendumweltschutz am Herzen.
Als sogenannter Waldläufer lernte ich schon in frühen Jahren die Natur und hier insbesondere den Wald eigenständig kennen und lieben. Doch das alleine war mir bald nicht mehr genug. Immer häufiger träumte ich davon einmal mit einem Förster den Wald zu erkunden, den Tierfilmer Heinz Sielmann persönlich kennen zu lernen und in einer Gruppe mit anderen Kindern etwas für den Erhalt der Umwelt zu tun. So fing ich an sämtliche Umweltstiftungen sowie Förster und Umweltämter in der näheren Umgebung anzuschreiben.
Schon bald lernte ich die ersten Förster kennen und bekam so einen Einblick in die unterschiedlichsten Arten der Forstwirtschaft, knüpfte 1995 den ersten Kontakt zum damaligen WWF Panda-Club (jetzt Sielmanns-Natur-Ranger Deutschland e.V.) und auch die Kontakte zur Gemeindeverwaltung Bestwig (insbesondere Bürgermeister, Umwelt- und Fremdenverkehrsamt) sowie zum Jugendamt und zur unteren Landschaftsbehörde des Hochsauerlandkreis entstanden zu dieser Zeit.
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Im April 1997 gelang dann nach mehreren Anläufen die Gründung einer eigener Umweltgruppe dem Sielmanns Natur-Ranger Team Bestwig. Mit einer Gruppenstärke von 10 Kindern im Grundschulalter trafen wir uns in regelmäßigen Abständen, bei Wind und Wetter in einer Schutzhütte im Bestwiger Ortsteil Ostwig. Von hier aus wurden Müllsammelaktionen gestartet, Nistkästen gebaut oder Wanderungen mit dem Förster unternommen. Auch die Lokalzeit des WDR Siegen besuchte die Bestwiger Naturschützer 1997 zum ersten mal.
Die ersten Jahre waren geprägt durch viele Höhen und Tiefen. Das Thema Naturschutz gehörte nicht gerade zu den angesagten Freizeitbeschäftigungen der Gleichaltrigen und viele Mitstreiter brachen unter den kritischen Blicken der Mitschüler. Dennoch ließen die Bestwiger Ranger immer wieder von sich hören. 1998 erhielt das Team Bestwig den Umweltpreis der Gemeinde, in unzähligen Gesprächsrunden mit der Gemeindeverwaltung (vorrangig die Fachbereiche Fremdenverkehr und Umwelt) sowie dem Forstamt wurde ein Konzept für einen Walderlebnispfad im Buchholz erarbeitet und im Sommer 1998 an einem zweitägigen Workshop den Kindern vorgestellt. Leider scheiterte die endgültige Fertigstellung an der Finanzierung – was jedoch nicht heißt dass wir das Projekt begraben haben... es wurde lediglich verschoben!
Immer wieder wurde an der Arbeit des Teams gefeilt. Die regelmäßige Teilnahme an den halbjährlichen vereinsinternen Teamleiterseminaren dienten und dienen auch heute noch der Fortbildung und dem Austausch der Teams untereinander. Die Ausbildung zum Schulsanitäter 1998 sowie das erlangen des Jugendleiterscheines waren genauso maßgeblich wie im Jahr 2001 die Ausbildung zum geprüften Naturführer NRW durch die NUA Recklinghausen. Fortbildungen die mir bei der weiteren Organisation der Jugendumweltarbeit sehr nützlich waren.
Aber auch aus den „kleinen“ Rangern von einst werden irgendwann Leute. So übernahm der einstige Ranger Daniel Hesse vor gut zwei Jahren mit 17 Jahren die stellvertretene Teamleitung vom aus beruflichen Gründen scheidenden Stellvertreter Ron Eilinghoff (heute genau wie ich 24 Jahre jung). Zusammen mit den drei Betreuern Stefan Rupperath, Kerstin Kreutzmann bilden wir vier heute den „Betreuerstamm“ über gut 20 Ranger im Alter von 9 – 14 Jahren - eine Truppe die, so unterschiedlich sie auch teilweise ist, zu einem Team zusammengewachsen ist dass buchstäblich Bäume versetzen kann.
Noch vor vier Jahren steckte das Team Bestwig, bedingt durch ständig schwankenden Mitgliederzahlen und ausbildungsbedingten Zeitengpässen bei meinem Mitstreiter Ron und mir auf einer leichten Talfahrt nach einer doch recht steilen Anfangsphase.
Schon sehr bald wurde klar: Das Team Bestwig braucht ein Grundstück um das es sich kümmern kann und mit dem sich die Kinder identifizieren können. Anderen Kindern, Eltern und Bekannten zeigen können – dass haben wir in der letzten Gruppenstunde gemacht. Nach einigen Ideen und etlichen Gesprächen übernahmen wir die Partnerschaft über den alten „Invalidenpark“ unterhalb der Schutzhütte. Hier wurden bis heute die alten Treppen erneuert, die Steinplattenwege durch angenehme Rindenmulchpfade ersetzt, ein Barfusspfad angelegt, Insekten und Fledermauskästen aufgehangen und auch über eine kleine „Asthecke“ und einen Komposthaufen verfügt der kleine „Park“. Ein Baumlehrpfad ist das nächste Werk was die Ranger in Angriff nehmen werden.
Der Treffpunkt „Schutzhütte Am Steinberg“ ist auch heute noch ein gewisser Treffpunkt, denn liegt unser Rangerpark direkt unter dem Areal der Hütte. Dennoch waren wir froh als wir im Frühjahr 2003 die alten Verkaufsräume der Bäckerei Köster nahe der Ostwiger Kirche beziehen durften. Von hier aus starten nun die meisten Aktionen der Bestwiger Ranger und auch dient der Raum als Lagerraum für sämtliches Arbeitsmaterial der Naturschützer.
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So war auch 2003 das eigentliche Entstehungsjahr der Fledermaussafaris. Zwar richteten die Bestwiger seit 1999 jährlich einen Fledermaustag mit Infoständen und abendlicher Safari zu den Jagdrevieren der Fledermäuse aus, doch erst vor zwei Jahren wurde das Angebot als regelmäßige Veranstaltung der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Die auf einen kurzen Zeitraum begrenzte Aktion fand so überwältigenden Anklang das insbesondere die Teamleitung neben den wöchentlichen Gruppenstunden heute in der Hauptsaison von April bis Oktober zwei bis drei Mal die Woche insbesondere mit Schul- und Kindergartengruppen die Welt der Fledermäuse unter dem Motto „Sehen aber nicht stören“ erkundet.
Erstaunlicher Weise kommt das Programm so gut an, dass auch Gäste aus ganz Deutschland und den angrenzenden Niederlanden eine Hotelpauschale mit zwei Übernachtungen buchen um zwei Stunden mit uns auf Naturentdeckung zu gehen.
Auch die Lokalzeit des WDR Siegen sowie ein niederländischer Reiseveranstalter begleiteten uns im Sommer 2004 ins Jagdrevier der Fledermäuse. Ein Ereignis das insbesondere auch für die Kinder eine einmalige Bedeutung hatte, nicht nur als besonderes Erlebnis sondern vielmehr auch als Zeichen der Anerkennung.
Im Jahr 2004 erweiterten wir das Angebot „Fledermaussafari“ an der Caritas Ferienstätte Bestwig – Föckinghausen um die Programme „Walderlebnis“, „Gewässeruntersuchung“ und „Teamwork“ auch diese drei Angebote fanden bei den Schulklassen reges Interesse. Leider ist es mir inzwischen kaum noch möglich neben meiner hauptberuflichen Tätigkeit, allen Anfragen gerecht zu werden.
Ebenfalls seit 2003 bieten wir jährlich drei Fledermaussafaris im Ferienprogramm „Brilon natürlich“ im benachbarten Stadtgebiet an. Auch hier findet das Angebot ein reges Interesse.
Neben dem öffentlichen Interesse, insbesondere an den Fledermaussafaris der Bestwiger Natur-Ranger, erfuhr auch das Team ab Beginn des Jahres einen mächtigen Aufschwung. Schwankte die regelmäßige Teilnehmerzahl der Gruppe von Woche zu Woche unkontrollierbar zwischen 2 und 25 Kindern noch im Vorjahr so deutlich, dass eine Planung der Treffen kaum möglich war, so brachten die Betreuer zu Beginn des Jahres 2004 wieder einen grünen Faden in dass teils erschlaffe Vereinsleben.
Bereits ein halbes Jahr später war der Unterschied deutlich merkbar. Teamwork ist das Zauberwort was aus einer „Chaostruppe“ ein gut eingespieltes Team gemacht hat. Einfache Regeln wie ich melde mich ab wenn ich keine Zeit habe waren der Grundstein für ein geregeltes Vereinsleben. Eine gute Mischung aus Vertrauen, Spaß und Verantwortung sind die Zutaten auf die wir als Betreuer bauen, letztendlich sogar soweit das wir die Rangordnung Teamleiter, Betreuer, Ranger bis auf ein Minimum reduziert haben. Das Resultat, dass schon bald daraus folgte: spannende und gut besuchte wöchentliche Teamtreffen und eine Gruppe hochmotivierter Kids, die zwar teils unterschiedlicher nicht seien können, sich auch mal in der Wolle haben, aber wenn es hart auf hart kommt zusammenhalten wie Pech und Schwefel.
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Die Kids und Jugendlichen übernehmen nun selbst Aufgaben, organisierten z.B. die Schaufensterdekoration im Gruppenraum, planen den Barfusspfad, legen bei allen Aktionen richtig Hand an und Informieren Besucher und Gäste bei Infoständen und Fledermaussafaris über Ihre Arbeit. Dadurch, dass ein anderer Bezug zum Team entstand und die Kids selber bei der Planung und Organisation mitentscheiden können haben wir heute ein starkes Wir Gefühl. Die Kids sagen heute mit Stolz : „Ich bin Natur – Ranger !!“ und wir als Betreuer sind immer wieder erstaunt welche Fähigkeiten in jedem einzelnen unserer Rangern stecken.
So z.B. beim letzten Einsatz im Rangerpark: 2 LKW - Ladungen frischer Rindenmulch waren angeliefert worden und wartete darauf mit Eimern und Schubkarren in den Park gebracht zu werden. Trotz aller Vermutungen die nächsten Stunden damit Beschäftigt zu sein war mit einer Eimerkette innerhalb von 1,5 Stunden die Arbeit getan.
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Gemeinsam statt alleine werden Grenzen erkundet – so z.B. beim Höhlenklettern außerhalb der ausgebauten Wegestrecken. Aktiv mit Anpacken z.B. bei den Müllsammelaktionen, Nistkastenbau oder unseren Fledermausfesten in Bestwig und am Biggesee(dieses Jahr erstmals auch in Hilchenbach und Hemer) Besonders der Bezug zum Naturschutz bzw. Naturerlebnis vor der eigenen Haustür liegt uns bei den einzelnen Programmpunkten sehr am Herzen. So bleiben wir bei unseren Herbstfahrten auch gerne innerhalb der Gemeindegrenze und haben dadurch die Möglichkeit teils unbekannten Schönheiten unserer Heimat zu entdecken und jüngere Ranger haben die Chance ohne Heimwehsorgen an Mehrtagesfahrten teilzunehmen.
Auch unsere Internetpräsentation wurde um eine eigene Projekt-Homepage erweitert. Die zusätzliche Seite www.fledermaussafari.de berichtet über besondere Erlebnisse im Sauerland und soll Einheimischen wie auch Gästen als Informationsplattform rund um das Thema Natur, Abenteuer und Sauerland dienen.
Meinen Bericht möchte ich mit einem großen Dankeschön an all die vielen Helfer und Freunde abschließen. Ohne, dass Vertrauen und das Tatkräftige mit Anpacken insbesondere „meiner“ Betreuer und Ranger, wäre es mir nie möglich gewesen meinen Kindheitstraum – „Zusammen mit anderen Kindern die Natur zu entdecken und zu schützen“ Wahrheit werden zu lassen.
Eines habe ich jedoch in den vergangenen Jahren gelernt und ich denke das ist auch ein Punkt der modellhaft für andere Kinder und Jugendliche stehen kann: Es lohnt sich für seine Ziele zu kämpfen, auch wenn man zu Beginn oft belächelt wird. Und wenn ich diese Erfahrung an meine Ranger oder auch an anderen Kinder- und Erwachsenengruppe weitergeben kann so sind wir auf dem richtigen Wege nahe dem Motto der Heinz Sielmann Stiftung: Naturschutz als positive Lebensphilosophie.
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